Welche Aufgaben habe ich als Erbe?

Sobald Sie erfahren haben, dass Sie Erbe geworden sind, stellen sich eine Reihe organisatorischer und gesetzlicher Aufgaben. Erbe annehmen oder ausschlagen? Verträge behalten oder kündigen? Aber auch: Wie komme ich an das Bankkonto und das Bankschließfach? Benötige ich einen Erbschein oder reicht das Testament?

1. wie wird man erbe?

Erbe wird man entweder per gesetzlicher Erbfolge oder per letztwilliger Verfügung der/des Verstorbenen, z.B. durch ein Testament - auch „Verfügung von Todes wegen“ genannt. Gibt es ein gültiges Testament oder einen wirksam geschlossenen Erbvertrag, so ist dies zunächst vor der gesetzlichen Erbfolge zu beachten. Im Testament nicht begünstigte, aber in der gesetzlichen Erbfolge stehende Personen, werden dann zumeist zu Pflichtteilsberechtigten.

 

Mit dem Erbe gehen Rechte und Pflichten einher. Unabhängig davon, ob Sie Alleinerbe sind oder neben Ihnen noch weitere Miterben existieren, müssen Sie sich mit verschiedenen Fragen rundum die Erbschaft auseinandersetzen. Als erstes müssen Sie sich einen Überblick über das Erbe verschaffen, um weitere Schritte planen zu können. Möglicherweise könnte Ihre Erbschaft bspw. überschuldet sein, weswegen Sie sie vielleicht ausschlagen möchten. Wenn Sie sich dazu entscheiden, das Erbe auszuschlagen, so steht Ihnen dazu ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme über die Erbschaft eine sechswöchige Frist zur Verfügung.

 

Entscheiden Sie sich dazu, das Erbe anzunehmen, so müssen Sie klären, welche Vermögenswerte das Erbe umfasst und wie Sie an die Werte wie Bankkonto, Bankschließfächer, Immobilien, Fahrzeuge usw. kommen. Gleichzeitig müssen Sie sich darum kümmern, mögliche (weiterlaufende) Kosten wie Miete, Verträge und Mitgliedschaften schnell zu überblicken, um Entscheidungen über die Fortführung oder Kündigung zu treffen. Eine Checkliste mit Aufgaben für Ihren persönlichen Fall können Sie hier erstellen.


2. was erbt ein erbe neben den wertgegenständen?

Rechtsnachfolge

Mit dem Tod einer Person, die in der juristischen Fachsprache dann auch als Erblasserin bezeichnet wird, geht deren Vermögen als Ganzes auf eine oder mehrere Personen über (§ 1922 BGB). Als Erbin sind Sie - juristisch formuliert - Rechtsnachfolgerin der Verstorbenen. Sie treten in deren Rechtsstellung ein. Das heißt: Sie erben nicht nur das Vermögen der Verstorbenen, sondern auch deren  Verpflichtungen und Schulden. Zudem übernehmen Sie als Erbin den Großteil der Verträge, die die Erblasserin zu Lebzeiten abgeschlossen hat. Etwas anderes gilt nur für höchstpersönliche Rechtsgeschäfte, wie z. B. die Mitgliedschaft in einem Verein.

Zur Rechtsnachfolgerin wird die Erbin „automatisch“, d.h. ohne weiteres Zutun. Sie müssen als Erbin nicht einmal Kenntnis vom Tod der Person haben. Gibt es mehrere Erben, so bilden diese automatisch eine Erbengemeinschaft. Eine Erbengemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Erben grundsätzlich nur gemeinsam über den Nachlass verfügen dürfen. Sinn und Zweck einer Erbengemeinschaft ist es (bis auf wenige Ausnahmefälle), dass sich die Erben miteinander über das Erbe auseinandersetzen. Sie müssen und sollen sich also gemeinsam Gedanken darüber machen, wie das Erbe zu verteilen ist. Alleingänge einzelner Erben sind daher kaum möglich.


3. muss ich das erbe offiziell annehmen oder ausschlagen?

Sie müssen Ihr Erbe nicht offiziell annehmen. Vielmehr gehen das Vermögen und die Verbindlichkeiten des Verstorbenen automatisch auf Sie über, ohne dass Sie hierfür etwas tun müssen. Möchten Sie das Erbe nicht haben, z. B. weil es überschuldet ist, müssen Sie es ausschlagen.

 

Für Minderjährige müssen ihre gesetzlichen Vertreter (meistens die Eltern) das Erbe ausschlagen. Gibt es mehrere Erben und ist die Erbfolge geklärt, kann jeder Erbe für sich entscheiden, ob er das Erbe behalten oder die Erbschaft ausschlagen möchte. Ist die Erbfolge (noch) nicht geklärt, weil z.B. unklar ist, wer die Erben sind, kann das Nachlassgericht Maßnahmen zur Sicherung und Verwaltung des Nachlasses anstellen. Es kann z. B. einen Nachlasspfleger einsetzen und diesen beauftragen, neben der Sicherung und Verwaltung des Nachlasses, nach den Erben zu suchen. Der Nachlasspfleger wiederum kann bei der Suche nach den Erben die Hilfe von Erbenermittlern in Anspruch nehmen.

Die Ausschlagung des Erbes müssen Sie innerhalb einer Frist von sechs Wochen gegenüber dem Nachlassgericht erklären. Die Frist beginnt, sobald der Erbfall eingetreten ist (Tod des Erblassers) und Sie von Ihrer Erbenstellung wissen.

4. ich habe eine vorsorgevollmacht bzw. eine generalvollmacht. was kann ich damit tun?

Eine Vorsorgevollmacht wird für den Fall erteilt, dass eine Person (Vollmachtgeber) nicht mehr in der Lage ist, ihre Angelegenheiten selbst zu erledigen. Vorsorgevollmachten können ganz unterschiedlich ausgestaltet sein. Eine Vorsorgevollmacht kann umfassend für alle Bereiche des Lebens erteilt (sog. Generalvollmacht) oder auf bestimmte Bereiche beschränkt sein (z.B. Gesundheit und Pflegebedürftigkeit oder Vermögensangelegenheiten). Zudem kann es auch mehrere Bevollmächtigte geben, nämlich dann, wenn mit einer Vorsorgevollmacht unterschiedliche Personen bevollmächtigt werden.

 

Viele Vorsorgevollmachten gelten über den Tod des Vollmachtgebers hinaus. In diesem Fall kann der Bevollmächtigte auch nach dem Tod des Vollmachtgebers rechtsverbindliche Erklärungen gegenüber Dritten abgeben. Welche Handlungen das konkret sind, hängt wie oben erwähnt vom Umfang der Vollmacht ab. Möglich ist z.B. dass der Bevollmächtigte auch nach dem Tod des Vollmachtgebers auf dessen Konto zugreifen, Gegenstände aus seinem Nachlass verkaufen oder den Mietvertrag des Verstorbenen kündigen kann.

5. Muss ich Steuern im erbfall zahlen?

Als Erben können Sie zwei unterschiedliche Steuerpflichten treffen, die unbedingt auseinander zu halten sind: die Erbschaftssteuer des Erben und die Einkommenssteuer des Verstorbenen, die in bestimmten Fällen von den Erben bezahlt werden muss. Die Erbschaftssteuer betrifft das vererbte Vermögen. Die Einkommensteuer des Verstorbenen hingegen dessen Einkünfte, die er bis zu seinem Tod noch nicht versteuert hat.

 

Einkommenssteuer des Verstorbenen

Mit dem Tod einer Person endet zwar deren Steuerpflicht, das heißt jedoch nicht, dass das Finanzamt ihre Akten nicht mehr bearbeitet. Vielmehr gehen gem. § 45 Abgabenordnung bei der Gesamtrechtsnachfolge „die Forderungen und Schulden aus dem Steuerschuldverhältnis auf den Rechtsnachfolger über".

Es ist daher durchaus üblich, dass die Erben die letzte Steuererklärung für den Verstorbenen abgeben müssen. Das ist insbesondere der Fall, wenn der Verstorbene zwischen dem Jahresbeginn und seinem Todestag steuerpflichtige Einkünfte bezogen hat, die nicht durch den Lohnabzug oder die Kapitalertragssteuer abgegolten sind (z. B. bei einer selbständigen Tätigkeit oder bei Mieteinnahmen). Sollten Sie vergessen, eine Steuererklärung für den Verstorbenen abzugeben, bekommen Sie eine Erinnerung vom Finanzamt*.

 

Erben können, bei Vorlage des Erbscheins** bei Kranken- und Rentenkassen sowie Banken und dem Finanzamt Unterlagen einsehen, die ihnen helfen, die Steuererklärung für den Verstorbenen auszufüllen. Dem Finanzamt ist es sogar erlaubt, berechtigten Personen alte Steuerbescheide des Verstorbenen auszuhändigen. Lebt der Ehepartner des Verstorbenen noch, muss er dem zustimmen. Andernfalls verletzt das Finanzamt das Steuergeheimnis.

 

Stand dem Verstorbenen eine Steuererstattung zu, bekommen die Erben diese. Gibt es mehrere Erben, ist die Steuererstattung entsprechend der Erbquoten aufzuteilen. Andersherum müssen die Erben aber auch für Nachzahlungen aufkommen. Eine Nachzahlung kann von den Erben dann als Nachlassverbindlichkeit in der Erbschaftsteuererklärung geltend gemacht werden.

 

* Bitte beachten Sie, dass das Finanzamt im Todesfall von vielfältigen Institutionen Meldungen bekommt. So informiert die Bank z.B. das Finanzamt über die Höhe des Kontoguthabens, Wertpapiere, Einlagen und Forderungen des Erblassers.

** Der Erbschein wird vom zuständigen Nachlassgericht ausgestellt. Zuständiges Nachlassgericht ist das Amtsgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthaltsort des Verstorbenen. Um dieses zu ermitteln, geben Sie einfach die letzte Postleitzahl des Verstorbenen und das Stichwort "Amtsgericht" in Ihrem Browser ein.

 

Steuerpflicht der Erben

Im Falle eines Erbes, Vermächtnisses oder eines geltend gemachten Pflichtteils sind die Personen, die einen Teil oder den gesamten Nachlass bekommen, erbschaftssteuerpflichtig. Je nach Verwandtschaftsverhältnis gelten allerdings unterschiedlich hohe Freibeträge.

Jeder, der aus einem Nachlass eine Zuwendung bekommt, die der Erbschaftsteuer unterliegt, muss dies innerhalb von drei Monaten dem zuständigen Finanzamt anzeigen. Das Finanzamt informiert Sie dann darüber, ob Sie eine Erbschaftssteuererklärung abgeben müssen. Zur Vorbereitung einer Erbschaftssteuererklärung hilft Ihnen ein Nachlassverzeichnis. Hier gehts zum elektronischen Nachlassverzeichnis.