Wo lauern Kosten im Erbfall?

Ein Erbe verbindet man häufig mit Wertgegenständen, die in den eigenen Besitz übergehen. Außer Acht lassen sollte man aber nicht die Kosten, die auch mit einer Erbschaft verbunden sind.

1. welche Kosten muss ich bei einem erbfall im blick haben?

Verträge

Die meisten Alltagsverträge enden nicht automatisch mit dem Tod einer Person. Das heißt: Verträge des alltäglichen Lebens werden vererbt und gehören zum Nachlass eines Verstorbenen. Dazu gehören z. B. Miet-, Energie-, Internet-, Handy- und Leasingverträge sowie Abonnements. Etwas anderes gilt nur für höchstpersönliche Verträge, wie z. B.den Arbeitsvertrag oder die Vereinsmitgliedschaft. Als Erbe können Sie frei entscheiden, ob Sie die alltäglichen Verträge übernehmen oder kündigen.

 

Als Erbe haben Sie in der Regel kein Sonderkündigungsrecht, sondern es gelten die „normalen“, d.h. die im Vertrag festgelegten Kündigungsfristen. Manche Verträge enthalten jedoch besondere Regelungen für den Todesfall. Häufig reagieren die Vertragspartner kulant und entlassen den Erben frühzeitig aus einem Vertrag. In manchen Fällen ist dafür eine Entschädigung zu zahlen. Wird ein Vertrag nicht fristgerecht gekündigt, kann es sogar sein, dass sich die Vertragslaufzeit automatisch verlängert.

 

Mitgliedschaften

Die Mitgliedschaft in einem Verein oder Club ist ein höchstpersönliches Rechtsgeschäft. Höchstpersönliche Rechtsgeschäfte erlöschen mit dem Tod einer Person und gehen nicht auf den Erben über.

Die Mitgliedschaft in einem Verein wird also nicht vererbt. Egal ob Sportverein, Partei oder Freundeskreis eines Theaters, die Mitgliedschaft endet (fast immer) mit dem Tod des Mitglieds. Dies ergibt sich aus der Satzung des Vereins, die Regelungen zum Ein- und Austritt der Mitglieder enthalten muss.

 

Es ist jedoch möglich, dass die Vereinssatzung vorsieht, dass die Mitgliedschaft einer Person automatisch auf seinen Erben übergeht, oder die Erben das Recht haben, in den Verein einzutreten. Sieht die Satzung des Vereins, in dem die Erblasserin Mitglied war vor, dass ihre Mitgliedschaft automatisch auf Sie als Erbe übergeht, haben Sie das Recht zum sofortigen Austritt. Ist es laut Satzung möglich, dass die Erben in den Verein eintreten können, muss die Satzung zudem regeln, dass sie ihre Mitgliedschaft zuvor ausdrücklich erklären müssen. Es reicht z.B. nicht aus, dass ein Erbe/eine Erbin (bewusst oder unbewusst) die Mitgliedsbeiträge des Verstorbenen weiter zahlt, oder dass sie die Vereinszeitung erhält.

 

Eine besondere Regelung existiert für Kleingartenvereine. Wenn beide Ehepartner bzw. eingetragenen Partner im Pachtvertrag standen, geht das Pachtverhältnis auf den überlebenden Partner über. Andernfalls endet das Pachtverhältnis am Ende des Monats, der auf den Todesmonat folgt. In einigen Vereinssatzungen findet sich eine Klausel, wonach die gezahlten Mitgliedsbeiträge vom Ausscheiden eines Mitglieds unberührt bleiben und die Zahlungsverpflichtung erst mit Ablauf des Kalenderjahres endet. Ob ein solches Ausscheiden auch ein Todesfall oder nur eine Kündigung des Mitglieds ist, ist umstritten. Es empfiehlt sich, in einem solchen Fall, einen Anwalt einzuschalten. In bestimmten Fällen hängt die Rückzahlungsverpflichtung des Mitgliedsbeitrags auch vom Fälligkeitsdatum ab. Auch in einem solchen Fall sollte ein Anwalt eingeschaltet werden.

DIGITALES ERBE

Daten und elektronisch hinterlegte Verträge gehören genauso zum Nachlass wie Gegenstände und Verträge auf Papier. Neben Offline-Daten sind auch Online-Daten Teil des digitalen Nachlasses. Immer häufiger werden wichtige Daten inzwischen in der Cloud gespeichert. Der Zugang zum digitalen Erbe gestaltet sich mitunter schwierig.

Sie benötigen die Zugangsdaten, um z.B. über Bildrechte und Kommunikationsinhalte, oder digitale Währungen (Bitcoins etc.) des Verstorbenen zu verfügen. Außerdem können Sie Abonnements von Streaming- und Musikdiensten, die der Erblasser zu Lebzeiten abgeschlossen hat, oftmals nur kündigen, wenn Ihnen die Zugangsdaten bekannt sind.

Bis 2018 war es für Erben mitunter schwierig, auf die Email-Konten und sozialen Netzwerke des Verstorbenen zuzugreifen, denn einige Anbieter verwehrten den Erben den Zugang zu den Konten der Verstorbenen. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2018 (BGH, Urteil vom 12.07.2018 – Az. III ZR 183/17) können Erben dies nun einklagen.

Ein Facebook-Profil kann von Facebook in den sog. Gedenkzustand versetzt werden. Dies führt dazu, dass zwar die bis dahin geteilten Inhalte weiter gezeigt werden, jedoch niemand sich mehr mit dem Konto anmelden kann. Es ist möglich, dass die verstorbene Person noch zu Lebzeiten einen sog. Nachlasskontakt ausgewählt hat, der sich um das Konto im Gedenkzustand kümmern soll. Außerdem können Familienangehörige des Verstorbenen beantragen, dass dessen Facebook-Kontos gelöscht werden.

 

 

Zugang zur Hardware

Sobald Sie die Passwörter für die jeweiligen Geräte haben, sollten Sie die darauf vorhandenen Daten sichten und ordnen. Nur so können Sie sichergehen, dass Ihnen keine für den Nachlass wichtigen Informationen verborgen bleiben.

Sollten Sie die Passwörter nicht haben, so kommen Sie an die Daten aus Computern und Laptops, indem Sie die Festplatte von einem Computerspezialisten auslesen lassen. Suchen Sie dazu einen zertifizierten Computerservice in Ihrer Nähe auf. Das Auslesen von Handydaten ist hingegen ohne die Sicherheitsnummer und den SIM-Karten Code kaum möglich.

 

 

gerichtsverfahren

Als Erbin sind Sie - juristisch formuliert - Rechtsnachfolgerin des Verstorbenen. Bezogen auf Gerichtsprozesse bedeutet das: Sie müssen den Rechtsstreit des Verstorbenen weiterführen.

Stirbt eine Prozesspartei vor Beendigung des Gerichtsverfahrens und hatte sie keinen Anwalt, wird das Gerichtsverfahren unterbrochen. Wurde der Verstorbene in dem Gerichtsverfahren anwaltlich vertreten, wird der Prozess nur unterbrochen, wenn die Anwältin dies beantragt. Die Unterbrechung dauert an, bis die Rechtsnachfolgerin des Verstorbenen den Prozess wieder aufnimmt.

Gibt es neben Ihnen noch weitere Erben, müssen Sie gemeinsam mit Ihren Miterben (Erbengemeinschaft) den Prozess weiterführen.

 

 

kredite und schulden

Kreditschulden und Schulden gegenüber anderen Institutionen oder Personen, wie z. B. Mietrückstände gegenüber dem Vermieter, Steuerschulden beim Finanzamt oder Schulden aus nicht bezahlten Rechnungen, erlöschen grundsätzlich nicht mit dem Tod des Kreditnehmers/Schuldners. Vielmehr gehen sie auf dessen Erbe(n) über. Das heißt: Als Rechtsnachfolgerin des Verstorbenen sind Sie verpflichtet, die fälligen Raten des Kredit sowie die Schulden zu bezahlen. Etwas anderes gilt nur, wenn Sie Ihr Erbe ausschlagen, d.h. nicht annehmen.

Gibt es neben Ihnen noch weitere Erben, trifft die Zahlungsverpflichtung alle Miterben gemeinsam (Erbengemeinschaft).

2. welche steuern fallen bei einer erbschaft an?

Informationen zur Erbschaftssteuer finden Sie in unserem Kapitel "Meine Aufgaben als Erbe".