Nachrichtenloses Vermögen

Sie sind Erbe und nicht abschließend über die Kontoverbindungen und Vermögenswerte des Erblassers informiert. Wie können Sie sogenanntes „nachrichtenloses Vermögen“ finden?

1. Was ist nachrichtenloses Vermögen?

Verstorbene hinterlassen oft Vermögen, das noch nach Ihrem Tod jahrelang von den Erben unbemerkt bei Banken und Versicherungen lagert, dieses wird als nachrichtenloses Vermögen bezeichnet. Vor allem handelt es sich um dabei um Bankguthaben und Wertpapierdepots, manchmal aber auch um Schließfächer, bei denen die Banken den Kundenkontakt verloren haben. Meist ist der Kontakt nicht wiederherzustellen, da die Besitzer des Vermögens verstorben sind und die Eben nichts von der Existenz der Vermögenswerte wissen.

Infolgedessen wird geschätzt, dass circa zwei bis neun Milliarden Euro nicht abgerufenes Vermögen bei deutschen Banken liegt.

2. Rechtliche Situation in Deutschland

In den meisten europäischen Staaten gibt es gesetzliche Regelungen zum Umgang mit nachrichtenlosem Vermögen, nicht aber in Deutschland, weswegen hier besonders viele nachrichtenlose Konten existieren. Alleine bei der Sparkasse Dortmund tauchten im Jahr 2016 über 250.000 solcher Konten auf. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass auch zu Ihrem Erbe nachrichtenloses Vermögen gehört.

Zwar wird das Anlegen eines Melderegisters für die verlorenen Konten diskutiert und durch Gesetzesinitiativen gefördert, noch sind Erben bei der Suche jedoch auf sich gestellt. Das macht das Auffinden des Vermögens für Sie zwar komplizierter, aber keinesfalls unmöglich.

Wir erklären Ihnen, wie es geht.

3. Sie vermuten, Erbe nachrichtenlosen Vermögens zu sein. Wie können Sie es finden?

Die gute Nachricht ist: das bei Banken gelagerte Vermögen verfällt nicht. Es liegt solange auf den Konten, bis die Erben es abrufen.

Zwar sind die Banken verpflichtet, die kontaktlosen Gelder nach 30 Jahren als Gewinne zu verbuchen und zu versteuern, dennoch haben Sie ein fortdauerndes Anrecht auf das Vermögen, wenn Sie sich als berechtigt ausweisen können. Trotzdem sollten Sie sich möglichst früh um die Suche nach nachrichtenlosem Vermögen begeben, beispielsweise Kontoführungsgebühren fallen nämlich weiterhin an.

Zunächst ein paar allgemeine Hinweise, die Sie bei Ihrem Vorgehen beachten sollten:

  • Legitimation: Um Auskünfte zu möglichen Konten o.ä. zu erhalten, müssen Sie sich zuerst als berechtigt ausweisen. Dafür sollten Sie z.B. den Erbschein, die Sterbeurkunde oder das Testament des Verstorbenen vorlegen und dessen letzte Anschrift angeben können. Auch nach einer beglaubigten Kopie Ihres Personalausweises kann gefragt werden. Oft lehnen Banken es grundsätzlich ab, online oder per E-Mail Kontoinformationen preiszugeben, gegebenenfalls sollten Sie bspw. um einen Termin in einer nahegelegenen Filiale bitten.
  • Indizien liefern: In Ihrem Schreiben an die Bank ist es empfehlenswert, Ihre Vermutung, dass der Verstorbene dort bspw. ein Konto hatte, zu begründen. Stehen Ihnen alte Kontoauszüge zur Verfügung, gibt es Hinweise auf Telefonate des Verstorbenen mit der Bank oder erwähnte dieser, dort Vermögen zu lagern? Je mehr Informationen Sie angeben können, desto wahrscheinlicher ist die erfolgreiche Bearbeitung Ihrer Anfrage.
  • Nachhaken:  Viele Banken haben kein Interesse daran, Ihre Anfrage direkt zu bearbeiten und aufwendige Nachforschungen anzustellen. Lassen Sie sich also nicht von Aussagen wie „Aktuell besteht keine aktive Kundenbeziehung.“ abschrecken.

Konkrete Tipps zur Suche von Konten bei einzelnen Instituten:

  • Konten bei einer Sparkasse

Um ein Konto bei einer Sparkasse zu finden können Sie sich mit einem Brief an den „Deutsche Sparkassen-und Giroverband“ oder per E-Mail an nachforschung@dsgv.de wenden. Beachten Sie dabei die oben genannten allgemeinen Tipps und übersenden eine Kopie des Erbscheins oder Testaments und geben Ihre Anschrift und die letzte Anschrift des Verstorbenen an.

Der Verband leitet Ihre Anfrage an die Regionalverbände in den einzelnen Bundesländern weiter, sollten dort Konten bei einer Sparkasse gefunden werden, so werden Sie per Post kontaktiert, allerdings fallen für die Nachforschungen möglicherweise Gebühren an.

  • Konten bei Volks- und Raiffeisenbanken

Auf der Website des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) finden Sie einen Service zur Kontonachforschung. Ihre Anfrage wird vom jeweiligen Regionalverband beantwortet, daher ist die Kontosuche leider auf ein Bundesland begrenzt. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Verstorbene Konten im Bundesland seines letzten gewöhnlichen Wohnsitzes hatte. Gegebenenfalls fallen Nachforschungskosten an.

Auch hier sollten sich ausreichend legitimieren und als Erbe ausweisen können.

  • Konten bei Privatbanken

Zu den Privatbanken zählen z.B. die Deutsche Bank und die Commerzbank. Vermuten Sie Konten des Verstorbenen bei einer Privatbank, können Sie sich an den Bundesverband deutscher Banken wenden. Dieser leitet, wenn Sie sich als Erbe ausweisen können, ein kostenloses, bundesweites Nachforschungsverfahren ein. Wenn das Verfahren erfolgreich ist und Konten, Depots oder Schließfächer gefunden werden, werden Sie kontaktiert.

  • Konten bei öffentlichen Banken oder Bausparkassen

Hierzu zählen bspw. die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Landesbausparkassen, die durch den „Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands“ (VOEB) vertreten werden. Dieser Verband bietet jedoch leider kein Nachforschungsverfahren zur Kontensuche an, weswegen sich ausgewiesene Erben an die einzelnen Banken wenden müssen.

  • Konten im Ausland

In einigen europäischen Staaten gibt es ausgereifte Melderegister für nachrichtenlose Konten. Vermuten Sie bspw. Konten in der Schweiz, können Sie diese über den Bankenombudsmann ausfindig machen.

  • Versicherungsansprüche

Weiterhin ist es möglich, dass der Verstorbene bestehende Ansprüche aus zu Lebzeiten geschlossenen Versicherungen hatte, die Sie als Erbe geltend machen können. Um das herauszufinden, müssen Sie sich per Schreiben an die in Frage kommenden Versicherungen wenden und sich als Erbe ausweisen können.

4. Musterschreiben

Wenn Sie mögliche Banken, bei denen der Verstorbene Konten gehabt haben könnte, ausfindig gemacht haben, sollten Sie diese per Post, E-Mail oder über die angegebenen Anlaufstellen im Internet kontaktieren. Hier zeigen wir Ihnen, wie ein solches Schreiben aussehen kann.

An

Bundesverband deutscher Banken e.V.

Postfach 040307

10062 Berlin

Berlin, den 01.02.2021

Nachlasssache Max Mustermann, verstorben am 01.01.2021

Bitte um Nachforschung zu Vermögenswerten

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Ihnen anzeigen, dass mein Vater, Herr Max Mustermann, zuletzt wohnhaft in …, geboren am …, am 01.01.2021 verstorben ist.

Ich bin aufgrund testamentarischer Erbfolge alleiniger Erbe meines Vaters.

Anbei sende ich Ihnen eine Kopie der Sterberunde und des Erbscheins des Amtsgerichts Berlin-Mitte, dem zuständigen Nachlassgericht, der mich als alleinigen Erben ausweist.

(Aufgrund einiger Gespräche mit meinem Vater zu Lebzeiten darf ich annehmen, dass er Vermögenswerte bei der Bank X hatte.) Da ich aber nicht genau über die Kontoverbindungen und Vermögenswerte meines Vaters informiert bin, bitte ich Sie hiermit, bei den Ihrem Verband angeschlossenen Banken nach Konten, Depots und Schließfächern nachzuforschen.

Ich vermute, dass mein Vater auch weitere Vermögensgegenstände bei Sparkassen und Volksbanken hatte und wäre daher für weitere Adressen, an die ich meine Bitte um Nachforschung richten kann, sehr dankbar.

Für eventuelle Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung und bedanke mich für Ihre Mühe.

Mit freundlichen Grüßen

(Unterschrift)